Alexander Rothe – Die Wunschmaschine . Im Zeichen der grünen Sonne { Kinderbuch-Rezension, Band 1 }

13.11.12 von

Mit einem quirligen Grinsen auf den Wangen galoppierte diese Woche Alexander Rothes Debütwerk »Die Wunschmaschine« in meine Lesenische und bescherte mir zwei Tage Leseabenteuer, die mich wieder Kind sein, im Kreis grinsen und meine Bauchmuskeln vor Lachen vibrieren ließen. Worauf ich mich da einließ, konnte ich schon ahnen, als ich die überaus witzige, fantasievolle Einladung zur Leserunde bei lovelybooks.de sah…

Als ich das Buch nun am Samstag morgen endlich in der Hand halten durfte, war ich sehr begeistert wie schön das Cover aussah. Ein Bullauge, auch haptisch greifbar, Pyramiden, die Sonne gleißend hell am Horizont. Wir ahnen schon, worauf das hinausläuft: Ägypten! Der erste Band einer ganzen Reihe des zwischen Ibiza und Deutschland pendelnden Debütautors, der sein Geld als Regisseur, Maler & Cartoonist verdient und kürzlich auch für den Deutschen Fernsehpreis für eine seiner Regiearbeiten nominiert wurde, führt ins mitten in ein Abenteuer rund um vier junge Menschen, die auf den ersten Blick – jedenfalls bis auf zwei – nicht so wirklich viel miteinander gemeinsam haben. Doch zuerst wollen wir mal darüber sprechen…

Worum es geht!

  • Titel: Die WunschmaschineAlexander Rothe - Die Wunschmaschine · im Zeichen der grünen Sonne © Baumhaus Verlag
  • Autor: Alexander Rothe
  • Verlag: Bastei Lübbe / Baumhaus Verlag
  • Genre: Jugendbuch & Fantasy
  • Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2012
  • Format: Hardcover, mit Leseband
  • Umfang: 333 Seiten
  • ISBN: 978-3-8339-0153-9
  • Preis: 14,99€
  • zum Buch beim Verlag

Es sind Ferien, doch Tom, Pit und die 15jährige Myriam – auch Möhre genannt – mit Bruder Alex wollen sich nicht so recht auf ihre freie Zeit außerhalb der Schule freuen. Pit fotografiert und arbeitet an ihrer wissenschaftlichen Karriere, Tom sitzt den Tag über in der Sonne und vertreibt die Langeweile mit Computerspielen, während die Geschwister einfach nur genervt sind, weil dieses Jahr kein Geld für den Urlaub übrig bleibt. Was dann jedoch geschieht, hätten die vier wohl in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet und schwupp, sind die Ferien auf einmal verdammt aufregend. Eine Tür in der Nachbarschaft, verborgen unter Gestrüpp, entpuppt sich als Zugang zu einem geheimen Gang, der in die Tiefe führt, zu einer riesigen Halle. Was die Kids dort vorfinden, lässt sie in ein gefährliches, spannendes Abenteuer eintauchen. Auf der Suche nach den Fragmenten der Wunschmaschine führt die erste Etappe ins Land der Pharaonen…

Erfrischend anders und gewaltig witzig!

Als ich das Buch aufschlug, die erste Seite las, war mein erster Gedanke: “Wie genial!” der nächste “Ich lach mich schief, welch eine tolle Idee ein Buch zu beginnen!” Der Prolog des Buches, die humorvoll und sehr witzig geschriebene Reise eines Sonnenstrahls von der soundsoviel Milliarden Grad heißglühenden Königin Sonne I. bis zur Erde, vorbei an Balkonen mit arbeitenden Menschen bis zum Ziel, der knallroten Baseballmütze von Protagonist Tom gibt schon einen Vorgeschmack darauf, was das Buch uns auf den nächsten 332 Seiten bieten wird: spritziger, altersgerechter Humor gewürzt mit einer ordentlichen Prise Wissen, guter Recherche über Kulturen & Lachsalvengarantie. Ich weiß nicht, wie oft meine Tochter an diesem Wochenende an meine geschlossene Tür klopfte und meinte: “Mama, warum lachst du da drin so laut? Ich möchte das auch lesen, beeil dich!” Das musste ich übrigens nicht, die Seiten flogen nur so dahin und das Buch so schnell gelesen, dass ich nun mit wachsender Ungeduld auf Band II warte.

Man merkt deutlich, dass das Buch mit viel Liebe zum Detail geschrieben ist und kann sich sehr gut vorstellen, dass der Autor mit Sicherheit ein ebenso fröhliches Mundwerk hat. Das hatten wir ja bereits bei seinem kleine Interview-Video festgestellt, als so ein seltsamer Typ Alexander zu seinem Buch befragte. Seht selbst…

Was mir ebenfalls sofort ins Auge fiel, waren die witzigen von Alexander Rothe selbstgezeichneten Comicillustrationen, die das Buch an inhaltlich markanten Stellen herrlich auflockern, mal eine völlig andere Art der Kinderbuchillustration, erfrischend anders! Als ich den Klappentext las, hatte ich um ehrlich zu sein nicht erwartet, schonungslos mit atemberaubender Geschwindigkeit ins Kindesalter zurückversetzt zu werden und mich in den nächsten zwei drei Tagen, in denen ich das Buch regelrecht verschlungen habe – natürlich auch, damit Tochterherz es endlich lesen kann – mit der Massage meiner vom Kichern verkrampften Mundwinkel beschäftigen zu müssen.

“Hihi!”, kicherte Tom, ” ein Instant-Schiff. Fügen Sie einfach Wasser bei…!” – Seite 75

Wir haben hier keinen nächsten Harry Potter vor der Nase. Nein, »Die Wunschmaschine« erinnert mich vom Stil her eher an eine Mischung aus Indiana Jones-Abenteuer und mystischer Detektivgeschichte à la Sherlock Holmes junior und diese Mischung gefällt mir verflixt gut. Der erste Eindruck war zunächst “Ok, das ist eher etwas für die Zielgruppe ab 10 Jahre!” aber als ich mich ein wenig reingelesen hatte, schaltete das vernünftige Erwachsenengehirn einfach mal auf “standby” und ich wirbelte mit den vier Protagonisten durch eine überdimensionale Rohrpost, staunte über ein Flaschenschiff, das mit ein wenig Wasser zum echten Segelschiff wurde und war begeistert ob der Bilder, die in meinem Kopfkino flimmerten, als die vier durch Kairos Straßen liefen, vorbei an Cafés, fremdartige wohlriechende Düfte einatmeten und die Hitze der Sonne Ägyptens auf ihre Haut brennen ließen.

Manche Dinge muss man einfach nehmen, wie sie sind, sie genießen. Wenn wir versuchen, sie festzuhalten und sie zu erklären, verlieren sie ihren Zauber! – Seite 109

Alexander Rothe - Die Wunschmaschine - Comicszene aus dem Buch © A. Rothe & Baumhaus VerlagDas Buch ist aber nicht nur lustig, es vermittelt Werte, es erklärt, es transportiert auf sehr witzige Art und Weise fundiertes Wissen, das der Drehbuchregisseur auf langjährigen Reisen kreuz und quer durch die Welt vor Ort recherchieren und in sein Buch einarbeiten konnte. So übt er Kritik an Vorurteilen gegenüber Religionszugehörigkeit, spricht so brisante Themen auf sehr einfühlsame Weise an und gibt der Jugend von heute damit noch ein Gefühl mit auf den Weg, dass es völlig egal ist, welcher Religion jemand angehört oder welche Hautfarbe er hat. Wir sind alle gleich, denn wir sind Menschen, egal wo wir leben und woher wir kommen, woran wir glauben und was wir empfinden. Schon beim Lesen merkt man schnell, wieviel dem Wahl-Spanier, der eine Finca auf Ibiza zusammen mit Frau und Tieren bewohnt, daran gelegen ist, nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern auch ernsthaftes Nachdenken über diese Thematik unter den jungen Menschen zu fördern.

Lass den Schmerz frei, lasse ihn fliegen, und er wird dich verlassen. Sprich über das, was dich quält. Zwinge dich, noch einmal zu erleben, was du erlebt hast, und erzähle es. Erzähle es deinen besten Freunden, denn wenn sie tatsächlich deine besten Freunde sind, werden sie es zu schätzen wissen, dass du sie in dein Vertrauen ziehst. – Seite 203

Alexander Rothe hat ein Gespür dafür, was die Zielgruppe der 10jährigen berührt, bewegt und amüsiert. Und so formuliert er sein Buch auch! Als ich ihn fragte, warum er eine doch recht flapsige, lockere Dialogführung wählte und auch der eine oder andere Ausdruck, der manchem Erwachsenen vielleicht ein Naserümpfen entlocken würde, auftauche, antwortete er mir “Ganz einfach, ich wollte, dass die Kinder auch in den Gesprächen so rüberkommen, wie sie sich nun einmal in diesem Alter unterhalten – und nicht, wie sich sich unterhalten sollen!” Sprich, authentisch und unverblümt, aber nicht künstlich überdreht oder ausufernd führt uns Alexander Rothe mit viel Humor durch die bunten Abenteuer seiner vier Buchhelden und damit mitten hinein in eine Zeitreise zurück in meine Kindheit, die mir sehr viel Spaß bereitet hat! Danke für dieses Lesevergnügen und ich freue mich sehr auf den nächsten Band. In den letzten Leseabschnitten findet man auch schon einen Hinweis darauf, wohin es im zweiten Buch gehen könnte: nach Lissabon in Portugal! Das klingt doch toll oder?

Kulinarische Entführung im Nachschlag

Alexander Rothe - Die Wunschmaschine © Baumhaus Verlag

Eine richtig tolle Idee hat sich Alexander Rothe für den Schluss des Buches einfallen lassen. Wer aufmerksam gelesen hat, der hat vielleicht schon den einen oder anderen Hinweis auf Leckereien im Text finden können. Im Anhang sind drei wirklich sehr lecker klingende Rezepte aus dem arabischen Kulinarium zu finden, die jedoch nicht einfach so als Liste und “Koche dies, schneide das!” abgehandelt wurden, sondern mit viel Witz und humorvollen Warnungen geschrieben sind, einfach passend zum Schreibstil des Buches. Da macht das Kochen gleich noch viel mehr Spaß, aber Achtung: Küche aufräumen nicht vergessen *zwinker*

Zum Schluss möchte ich noch auf die Webseite des Autors hinweisen, die gerade entsteht. Auf www.die-wunschmaschine.de wird Alexander Rothe noch mehr interessante, für Kinder witzig gestaltete Informationen rund um seine Bücher, die Handlungsorte & deren Kulturen sowie weitere leckere Rezepte veröffentlichen. Ich bin sehr gespannt darauf, ein wenig dauert die Fertigstellung noch, denn das geschieht alles mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Mein Fazit: Ein rundherum gelungenes, sehr humorvolles aber auch informatives Jugendbuch für alle ab 10 und solche, die gerne das Kind in sich herauswühlen und mal wieder herzlich über eine fantasievolle Abenteuergeschichte lachen wollen! Eines der Kinder- & Jugendbuchhighlights des Jahres 2012 und ein klasse Weihnachtsgeschenk für alle Altersklassen!

Bewertung: 5 Lesemonster-Punkte

PrädikatLesehighlight 2012

Prädikat: Lesehighlight der Büchernische

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