Elizabeth Miles – Im Herzen die Rache ({Buchrezension}

Liebe Leser,

Elizabeth Miles Auftakt zur Fury-Trilogie mit dem klangvollen deutschen Titel »Im Herzen die Rache« zog letzte Woche zu meiner großen Freude und Überraschung in meine Bücherregal ein. Als das Buch einen Tag nach der Bekanntgabe schon eintrudelte, habe ich es mit großer Begeisterung ausgepackt und über das wirklich sehr ansprechende Cover gestreichelt. Ich konnte es kaum erwarten, mich in diesen Schmöker zu stürzen und habe es an einem Nachmittag durchgelesen. Leider konnte mich der Inhalt zwischen den wohlgestalteten Buchdeckeln nicht so ganz überzeugen.

Reue ist manchmal nicht genug…

Im Herzen die Rache von Elizabeth Miles © Loewe VerlagEmily Waters wohnt in der beschaulichen Kleinstadt Ascension mitten im amerikanischen Maine. Weihnachten steht vor der Türe, es ist bitterkalt und die Straßen sind dunkel, als eine schlimme Nachricht die Partystimmung der Schulparty dämpft. Danach ist nichts mehr so, wie es war. Merkwürdige Dinge gehen vor sich, als drei geheimnisvolle Mädchen in der Stadt auftauchen. Etwas Dunkles kriecht durch die Straßen, Furcht greift um sich…

Als die Buchvorschauen für das Jahr 2013 veröffentlicht wurden, stand dieses Buch schon sehr früh auf meiner Wunschliste der Lektüren, die ich unbedingt lesen wollte. Das Cover ist ein wahrer Hingucker, da ich ohnehin ein kleiner Vintagefan bin. Das elegante Mädchen aus offenbar gutbürgerlichem Hause, mit einer Teetasse in der Hand, onduliertes Haar und die texturierte Tapete in Kombination mit einer gelungenen Fontauswahl und Spotlack-Akzentuierung ist ein Augenschmaus und faszinierte mich von ersten Moment an. Auch unter dem Schutzumschlag setzt sich die Textur fort, ein rundherum gelungenes Styling„.

Große Erwartungen

Elizabeth Miles hatte eine wirklich gute Idee, nicht neu, aber gut. Angelehnt an die griechische Mythologie toben sich drei grazile Furien in der Kleinstadt aus und sinnen auf Rache. Die Protagonistin. die junge Emily – genannt Em – hat alles, wovon viele ihrer Klassenkameraden träumen: Freunde, einen guten Ruf in der Schule, ein gutes Elternhaus, eine tolle, beste Freundin. Sie führt ein typisches Highschool-Leben.

Wie ein plötzlicher Schauderer
greifst du mein Herz
Vielleicht darf es nicht sein
doch von nun an bin ich
ganz
dein – Seite 135

Doch Geld und teure Klamotten alleine machen nicht glücklich, das merkt auch Emily, denn der Mann ihrer Träume ist außer Reichweite. Die Charakterzeichnung der Hauptfigur als auch die der Nebencharaktere ist stimmig, typisch amerikanischer Teenager eben. Und da knüpft auch gleich das erste Problem an.

Coolness!

Elizabeth Miles - Fury I

Das Cover der Originalausgabe gefällt mir nicht annähernd so gut wie das der deutschen Ausgabe…

Die Wortwahl ist mir zu amerikanisch „cool„, zu sehr gewollt auf jung getrimmt, zu breiig – es wirkt teilweise schon beinahe albern. Ich hatte schon öfter Bücher von amerikanischen Jugendautoren in der Hand, auch mit einem ähnlichen Slang; aber Elizabeth Miles trug meiner Ansicht nach in dieser Beziehung ein wenig zu dick auf. Nicht nur Dialoge – das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen – sondern auch der normale Kontext wirken zu gezwungen „jung-geschrieben“. Mir fehlt einfach ein wenig die Reife im Plot, auch oder gerade weil es ein Jugendbuch ist. Warum muss man solche Bezeichnungen wie „Piss-Brücke“ für einen Ort verwenden, an welchem sich Jugendliche nach nächtlichem Partygelage erleichtern? Hätte man da nicht auch einen anderen Begriff finden können? Klar, das ist die Übersetzung, ich kenne den englischen Begriff, der in diesem Kontext verwendet wurde nicht, aber ich denke das wird schon ein ähnlicher Ausdruck gewesen sein, sonst hätte die Übersetzerin das nicht so ins Deutsche übertragen.

[…] es gibt Dinge, die man nicht ungeschehen machen kann, egal wie sehr man es sich auch wünscht. Ist die Lawine erst einmal in Bewegung, gerät sie schnell außer Kontrolle. Unaufhaltsam. – Seite 274

Ich habe nichts dagegen, wenn in einem Dialog auch mal mit flapsigem Jargon gesprochen wird; das Buch zielt jedoch auf die Altersgruppe der 13- bis 16jährigen und ich bin der Meinung, man sollte gerade für diese Altersgruppe eine andere Wortwahl finden. Jedenfalls war ich nach dem gefühlten zehnten Lesen des Wortes „Piss-Brücke“ ziemlich gereizt. Junge Leser weiß der lockere, flapsige Duktus sicherlich zu begeistern. Auch die Einteilung des Trilogieauftakts in drei Akte sowie die Perspektivenwechsel zwischen den verschiedenen Jugendlichen trug zum leichten, abwechslungsreichen Grundton bei.

Erleuchtung?

Der zweite Kritikpunkt ist die Naivität der jugendlichen Charaktere, die mir zu schaffen machte. Selbst wenn es der Autorin wichtig war, das Gefühlsleben eines verliebten Teenagers mit Wölkchen im Gehirn und Schmetterlingen im Bauch dem Leser näher zu bringen, so hat sie auch in diesem Fall zu tief in die rosarote Wühlkiste gegriffen. Mag sein, dass ein(e) 13jährige(r) Leser(in) das aus einer anderen Perspektive betrachtet, aber für mich als erwachsenem Leser galoppierte die Einfältigkeit ein wenig zu sehr durch das Buch; teilweise saß ich wirklich kopfschüttelnd und laut „Mensch mach die Augen auf, Mädchen!“ rufend in meiner Leseecke und hoffte, dass die baldige Erleuchtung erfolgen möge.

Da ist mehr drin!

Als dritten – und auch letzten negativen – Punkt möchte ich auf die Spannungskurve eingehen. Während der Klappentext großspurig das paranormale Gruseln schlechthin anbot, erwies sich nach dem Lesen das Ganze als recht ernüchternd. Der Plot hatte seine Höhepunkte, keine Frage. Subtile Andeutungen, gruselig-düstere Atmosphäre gepaart mit winterlichem Frostflair hätten aber weitaus besser ausgeschöpft werden können, das Potential hat die Story allemal. Leider tröpfelte die Spannung die meiste Lesezeit über zu leise vor sich hin. Es gab den einen oder anderen Überraschungsmoment, ich dachte „hey, nun kommt mal Fahrt in die Sache!“ doch auf den darauffolgenden Seiten nahm das auch leider wieder ab. Einen dicken Pluspunkt gebe ich allerdings für das Ende, denn das gefiel mir sehr gut und somit läutet das Finale die Wartezeit auf Band II ein.

Klirrendes Winterflair

Was mir ausgesprochen gut gefiel, war die Umschreibung der winterlichen Kleinstadt, die Straßenzüge und auch die Darstellung der düsteren Ecken. Ein eisiger Hauch wehte durch die Seiten. Die zarte Liebesgeschichte die sich im weiteren Handlungsverlauf anbahnte, transportierte die Autorin mit sanftem Feingefühl an mich als Leser. Ich kann mich noch gut an diese Empfindung erinnern, als ich die ersten Schmetterlinge im Bauch flattern spürte und musste unwillkürlich lächeln. Da ich mich sehr für griechische Mythologie interessiere, fand ich es absolut klasse, dass sich Elizabeth Miles dieser auch als Vorbild für ihre Rachegöttinnen bediente. Allerdings schaffte die Autorin es nicht, mich in diese gruselige, finstere Stimmung zu versetzen, die der Plot eigentlich bieten sollte. Es wollte nicht so recht knistern. Schade.

»Mein Gott, der Schnee ist einfach wunderbar«, sagte Ty und sah aus dem Fenster. »Er erinnert mich an dieses alte Gedicht. Es ging um den Schnee in der Luft, um Flocken, Flüstern … stille Verzweiflung.« – Seite 56

Ich werde den zweiten Band lesen, weil ich erstens wissen möchte, ob die Autorin das Potential der Geschichte, die ja nun ihre Einleitung gefunden hat, besser ausarbeiten kann und weil ich natürlich dennoch wissen möchte, wie es weitergeht. Wie gesagt, das Finale war klasse, das macht schon Lust auf mehr. Leider hat das aber nicht mehr ausgereicht, um »Im Herzen die Rache« noch mit vier Punkten zu bewerten. Dafür ist der Gesamteindruck des Jugendbuches leider nicht gut genug, somit gebe ich dem Buch die Zwischenwertung von 3,5 Leseherzen.


Elizabeth Miles | Im Herzen die Rache | Trilogie: Fury Trilogie, Band 1 | 3
Loewe Verlag | 16. Janur 2013 | ab 13 Jahren
Hardcover, 389 Seiten | 978-3785573778 | 17,95€
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Mein Fazit: Ein mühsamer Start der Trilogie mit einer Story, die viel Potential hat, welcher aber einfach der gewisse Kick fehlte! Ich hoffe auf Band II und mehr Tiefgang!

Meine Wertung: 3of5