{Messebericht 2014} 10 Dinge, die man als Mann einer Buchbloggerin während einer Buchmesse beachten muss!

Hallo meine Lieben,

ein herzliches, wenn auch leicht krächzendes »Hallo, ich bin wieder daaaaaa!« aus der Büchernische! Toll war’s, absolut wundervoll. Ach, dafür findet man gar nicht die richtigen Worte. Bevor ich nun in aller Ausführlichkeit von unseren Erlebnissen und Begegnungen auf der Leipziger Buchmesse berichten möchte, meldet sich mein Mann zu Wort, der mich jeden der fünf Messetage begleitet hat, bis die Fußsohlen rauchten und wir abends todmüde ins Hotelzimmerbett sanken. Das ist wirklich wahre Liebe
Herr Büchernische murrte zu keinem Zeitpunkt, trug die schwere Kameratasche, erinnerte mich an meine Termine, sorgte dafür, dass das Wlan auf meinem Handy endlich funktionierte und war einfach die ganze Zeit für mich da. Er fotografierte mich mit Autoren, Buchfreunden 2.0, Verlagsmitarbeitern und schimpfte im Spaß, wenn ich beim Fotografieren zwinkerte. Alexandra Pilz weiß, wovon ich spreche. 🙂

Vormittags um 11:00 Uhr am Heyne Stand: Die Frisur sitzt, die Augen klappen müde zu. Ich rufe noch „Nicht zwinkern!“ doch es ist zu spät. Meine Buchbloggerin nimmt es mit Humor 🙂

Da er selbst an einem Highfantasy-Manuskript schreibt, freute es mich umso mehr für ihn, dass er sich mit Autoren unterhalten, Tipps entgegennehmen und einen richtigen Motivationsschub aus Leipzig mit an den heimischen Schreibtisch mitnehmen konnte. Er ist mein Fels in der Brandung und kümmert sich hier hinter den Kulissen um die grafischen Feinheiten, schreibt auch Rezensionen und unterstützt mich, wo er nur kann.

Heute möchte er euch ein paar Tipps für zukünftige Buchmessenbesuche mit auf den Weg geben: die ultimativen 10 Dinge, die man als Mann einer Buchbloggerin während einer Buchmesse beachten muss! Und sagt hinterher nicht, ihr wärt nicht gewarnt worden 🙂

#1 Vorbereitungen für die Messe

Es ist von enormer Wichtigkeit, sich auf einen mehrtägigen Messebesuch entsprechend vorzubereiten. Viele Anfängerlastesel (=Männer von Buchbloggerinnen) tragen noch die Narben ihres ersten und unvorbereiteten Messebesuches. Folgende Dinge werdet ihr mindestens benötigen:

  • 80 metrische Tonnen fettfreie, nichtklebrige Nahrungsmittel
  • 240 Gallonen Wasser
  • 1 Paar festes Schuhwerk (raumfahrtgeeignet)
  • 2x kybernetische Oberarme (gibt´s in jeder Apotheke, rezeptpflichtig!)
  • 1x Sprachlexikon „Blogger – Deutsch : Deutsch – Blogger“
  • 1x GPS-Navigationssystem (US-Militär Standard)
  • 12 Tuben Schmerzsalbe + Pflaster
  • 1x Religionszugehörigkeit (für evtl. Stoßgebete)

Entschuldigen Sie, haben Sie irgendwo meine Buchbloggerin gesehen? Blaues Schlüsselband mit Ausweis, Kamera um den Hals und aufgeregtem Gesichtsausdruck?

#2 Passt euch der neuen Rangordnung an

Während der Messezeit setzt das Buchbloggerweibchen eine völlig neue Prioritätenliste fest. Achtet darauf, nicht aus eurer zugewiesenen Rolle zu fallen und verhaltet euch ranggemäß. Eine solche Prioritätenliste sieht etwa wie folgt aus:

1. Bücher
2. mehr Bücher
3. Autoren



64. Sack Reis (chinesisch, stehend)
65. Sack Reis (chinesisch, umgefallen)


12122. Steine
12123. Bordsteinkante einer Straße in Leidsche Rijn, Utrecht
12124. Ihr ←

#3 Biete niemals an, das Leseprobentäschchen zu tragen

Dies ist die klassische Falle. Was kann so ein kleines Papiertütchen vom XYZ-Stand schon großartig wiegen? Achtung! Viele Anfängerlastesel machen den Fehler, die Tragfähigkeit eines solchen Tütchens zu unterschätzen. Als bestünden die Träger aus modernem Nanokarbonröhrenmaterial, kann eine solche Tragevorrichtung locker das Zehnfache des vermuteten Gewichtes tragen. Ferner schaffen es erfahrene Buchbloggerinnen, eine solche Tüte innerhalb der ersten 10 Minuten mit einem Konglomerat aus Lesezeichen, Lesepröbchen, Buchmaterial, Katalogen und allerlei Niedlich-Gedöhns zu füllen.

Könnt ihr euch ungefähr vorstellen, was das alles wiegt? Gut, dass Team Büchernische per Auto unterwegs war!

#4 Behalte deine dir zugewiesene Buchbloggerin stets im Auge.

Vielleicht kennt ihr das: Man blickt nur mal kurz gierig auf die leckere Cola, die der Typ neben dir gemeinerweise in den Händen hält oder schaut einer Cosplayerin auf den Hintern, und schon steht man mit Sack und Pack alleine in einem steten Strom aus Menschen. Buchbloggerinnen haben im Laufe der Jahre ihre Tarnfähigkeiten perfektioniert und sind in der Lage, in weniger als einer Sekunde vollständig mit dem Messetreiben zu verschmelzen. Wiederfinden zwecklos. Selbst Handysignale schaffen es nicht, die Tarnung zu durchdringen. Also Vorsicht!

#5 Vergiss niedrige Zahlen

Buchbloggerinnen haben die spezielle Fähigkeit, zu Messezeiten die Existenz geringwertiger Zahlen komplett aus ihrem bewussten Denken auszuklammern. Nur EIN Buch, nur noch EINEN Stand besuchen – all das kennen sie nicht mehr. Hierbei bietet es sich an, gar nicht erst zu versuchen, es ihnen – zum Beispiel mit Handpuppen oder einem Mathematikbuch für die erste Klasse – zu erläutern. Es gibt gegen diese selektive Gedächtnisblockade weder eine Therapie noch ein Heilmittel.

#6 Achtet auf Verhaltensmuster

Normalerweise jagen Buchbloggerinnen alleine. Gelegentlich jedoch rotten sie sich in kleineren Gruppen zusammen und machen im Rudel jagt auf wehrlose Autoren und deren Werke. Als Lastesel gilt in beiden Fällen: Im Hintergrund bleiben, gelegentlich die Beute verstauen und hinterher latschen. Eine Kommunikation mit anderen Lasteseln ist nur im Notfall gestattet.

Immer dran denken: Spätestens um 18 Uhr ist der ganze Spuk erstmal vorbei – bis zum nächsten Morgen um 9 Uhr g*

Wissenswertes am Rande: Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass jene Gehirnregionen eines Buchbloggerweibchens, welche sonst für den Schuhsammel- und Schuhkauftrieb verantwortlich sind, in Messezeiten nahezu keine neuronale Aktivität aufweisen.

#7 Nicken, Lächeln und wissenden Blick üben

Ihr steht vor dem 50 cm breiten Stand eines Ein-Mann-Verlages und habt weder den Verlagsnamen je gehört noch kennt ihr einen einzigen Buchtitel? Jetzt nicht die Nerven verlieren, denn ihr könnt davon ausgehen, dass die Buchbloggerin eure Unwissenheit NICHT tolerieren wird. Wenn sie also zielgerichtet auf einen solchen Stand zusteuert, dann nickt interessiert, lächelt und tut so, als wärt ihr angenehm überrascht, dieses… geniale… Buch tatsächlich HIER vorzufinden. Mit etwas Übung kann man anhand des Buchtitels schon auf den Inhalt schließen und hier punkten. Anfängern empfehle ich, das betreffende Buch sorgfältig und mit wissender Miene aufzuschlagen und schnell einen Absatz zu überfliegen.

#8 Protze mit deinem erstaunlichen Wissen über das Aussehen von Autoren

Ihr glaubt, ihr müsstet jetzt googeln und Bilder büffeln? Weit gefehlt. Bei diesem Trick macht ihr euch die Menschenmassen einer Buchmesse zunutze. Und so geht´s: Ihr schlendert an einem Stand vorbei und lest schnell von einem Buch den Namen eines Autors ab. Nun geht ihr 10 Meter weiter und achtet darauf, dass inzwischen sehr viele Menschen zwischen euch und jenem Stand stehen. Mit überraschtem Blick sprecht ihr nun eure Buchbloggerin an und vermittelt ihr, dass ihr den Autor, dessen Namen ihr gerade abgelesen habt, „dort hinten“ gesehen habt. Sollte eure Buchbloggerin euch dann dort hin schleifen, setzt eine möglichst enttäuschte Miene auf, da ihr den tollen Autor um ein Haar verpasst habt. Übertreibt es mit diesem Trick jedoch nicht, sonst fällt es auf.

IMG_0262b

Der versonnene, ins Gespräch versunkene Anblick deiner Buchbloggerin entschädigt dich dann aber wieder mehr als ausreichend für durchgelaufene Schuhsohlen! 🙂

#9 Vergesst das Konzept von Raum und Zeit!

Um 12.00 Uhr findet eine Lesung in Halle 2 statt, die eine Stunde lang geht, während um 12.10 Uhr in Halle 5 ein Autor für 15 Minuten lang signiert? Eine Buchbloggerin ist in der Lage, ein temporales Feld zu erschaffen, so dass sie an beiden Veranstaltungen partizipieren und nebenher noch einen Hotdog aus Halle 3 und eine Cola aus Halle 4 holen kann. Folgt man einer Buchbloggerin durch die Gänge und ist sich eigentlich sicher, dass einfach zu viele Menschen vor einem stehen und es rein physikalisch einfach nicht mehr weiter gehen KANN, so erschafft die Bloggerin ein Wurmloch, welches nicht nur einen aalglatten Weg durch die Menschenmaterie bietet, sondern die Laufzeiten um 90 Prozent reduzieren. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema laufen derzeit.

#10 Alles ist relativ, plant also im Voraus

Vergesst nicht, dass 1 Stunde Messezeit 5 Lasteselstunden sind. In direkter Korrelation mit dem in #9 angesprochenen Zeitphänomenen ergibt dies einen 112-Stunden-Tag für den Lastesel. Anfänger unterschätzen diese Relationen und sorgen nicht für ausreichend Flüssigkeitszufuhr – oder vergessen es, messetaugliche Nahrung mit sich zu führen. Zwar gibt es auf der Messe viele Kaufmöglichkeiten, jedoch sind sich führende Marktforscher noch nicht darüber einig, ob die abgebildeten Preise tatsächlich für einzelne Produkte gelten oder vielmehr für den ganzen Stand. Achtet also darauf, Nahrungsmittel für mehrere Tage bereits im Vorfeld einzukaufen.

Alternativ kann man sich natürlich auch mittags am Stand von Fattoria La Vialla zu den leckeren Kostproben stellen und sich solange durchprobieren, bis man satt ist 😀

Achtung! Habt ihr euch für die Marmeladendonuts oder eine fettige Fertigsalami entschieden, achtet auf eure Finger. Solltet ihr versehentlich mit euren Fettgriffeln den gerade erbeuteten, frisch signierten Band eurer Buchbloggerin kontaminieren, gibt es kein Versteck, keine Zuflucht und keine Religion mehr, die euch jetzt noch vor Vergeltung schützen kann.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Tipps hilfreich zur Seite stehen. In wenigen Tagen wird sich meine Buchbloggerin, Frau Büchernische selbst zu Wort melden und euch von unseren gemeinsamen fünf Messetagen berichten. Bis dahin wünsche ich eine gute Nacht und frohes Bloggen!

Liebe Grüße
Herr & Frau Büchernische