Renée Holler – Das Geheimnis des goldenen Salamanders { Buchrezension }

 

»Das Geheimnis des goldenen Salamanders« ist ein Buch, das mir vor einigen Wochen in den Verlagsvorschauen des Bloomoon Verlags auffiel. Die farbenfrohe Jahrmarktatmosphäre auf dem Cover weckte meine Aufmerksamkeit und die Beschreibung des Klappentextes erinnerte mich ein wenig an Oliver Twist. Das ist gar nicht so weit hergeholt, denn auch in Renée Hollers Kinderbuch spielen Straßenkinder eine große Rolle. Ich möchte euch dieses neue Lesehighlight der Büchernische nun vorstellen und meinen Dank dem Bloomoon Verlag sowie Blog dein Buch aussprechen, welche mir dieses wunderbare Leseerlebnis ermöglicht haben.

September 1619, mitten in London…

  • Titel: Das Geheimnis des goldenen Salamanders
  • Autor: Renée Holler
  • Verlag: Bloomoon Verlag
  • Erscheinungsdatum: 3. April 2013
  • Format: Hardcover, illustriert
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Umfang: 304 Seiten
  • ISBN: 978-3760791555
  • Preis: 12,99€
  • zum Buch beim Verlag

Alyss lebt auf einem Landgut in England. Seitdem ihr Vater auf einer seiner Forschungsreisen als vermisst galt, wurde ihr Onkel Humphrey als Vormund eingesetzt und zog fortan gemeinsam mit seiner Frau und den drei Söhnen auf Hatton Hall ein. Doch das junge, intelligente Mädchen ist dem Mann ein Dorn im Auge, denn er will Herr des Anwesens sein und Alyss steht ihm bei seinen Plänen im Wege. Kurzerhand flüchtet das junge Mädchen nach London und taucht dort, verkleidet als Junge mit kurzgeschnittenem Haar unter. Sie muss unbedingt Kontakt zum Freund ihres Vaters aufnehmen, doch dann gerät sie in die Fänge einer Straßenkinderbande und wird auch noch des einzigen Beweises für ihre Identität beraubt. Alyss ist auf sich gestellt…

Willkommen im 17. Jahrhundert, tretet ein!

Renée Holler war mir bis zu diesem Buch kein Begriff, dabei ist die Geschichte rund um den geheimnisvollen, goldenen Salamander nicht das erste Buch der Autorin. Neben verschiedenen Sachbüchern und Kinderbüchern für das Leselöwenprogramm hat sie Ratekrimis für den Loewe Verlag geschrieben, einige ihrer Bücher sind auch als Hörbuch erschienen. »Das Geheimnis des goldenen Salamanders« ist nun das erste Buch, welches im Imprint des arsEdition Verlages erscheint. Für die Illustrationen im Buch sowie auf dem farbenfrohen Cover zeichnet sich Bernd Lehmann verantwortlich, seines Zeichens Illustrator und Druckgrafiker. Nach der ebenfalls im Bloomoon Verlag erschienenen Reihe rund um Mira war ich hocherfreut, wieder einmal ein illustriertes Buch in der Hand zu haben, dessen Aufmachung mir außerordentlich gut gefiel. Feine Buntstiftzeichnungen in harmonischen Farben prägen das Cover, während sich zwischen den Buchdeckeln in regelmäßigen Abständen Bleistiftzeichnungen der wichtigsten Schauplätze, Personen, Szenen und Gegenstände befinden. Die Illustrationen lockern das Lesevergnügen zusätzlich auf, wobei ich ehrlich sagen muss, dass die Geschichte für sich schon wirklich ein Pageturner ist.

Ich kann mich nicht daran erinnern, auch nur ein einziges Mal Langeweile verspürt zu haben. Ganz im Gegenteil! Irgendwann, etwa bei der Hälfte des Story, musste ich mich der Müdigkeit geschlagen geben, sonst hätte ich die Geschichte definitiv in einem Rutsch durchgelesen. Wirklich sagenhaft, welch intensive Atmosphäre die Autorin zwischen die Seiten bannte und wie tief sie mich in die Geschichte hinein zog. Ich vergaß alles um mich herum, als ob ich wahrhaftig durch die Straßen Londons im 17. Jahrhundert spazierte, den Duft der Fischhändler am Ufer der Themse einatmete und die bunte Geräuschkulisse des Jahrmarkts mit Marktschreiern, Gauklern, Wahrsagerinnen und exotischen Tieren vor meinen Augen hätte. Renée Holler malte farbige Bilder in meinem Kopf, ließ die passende Melodie dazu erklingen und schaffte es, mich zu 100 Prozent an die Geschichte zu fesseln.

Rechts lag die London Bridge, die einzige Brücke über die Themse und damit vom Süden her der einzige Zugang in die Stadt, es sei denn man reiste per Boot auf dem Fluss. Am anderen Ende der Stadt war über Nacht eine Budenstadt aus dem Erdboden geschossen. Jedes Jahr Anfang September wurde hier ein Abschnitt der Straße gesperrt. Dann errichteten dort Händler, Spielleute und Jahrmarktsvolk ihre Zelte und Bretterbuden. – Seite 49

Spannung, Abenteuer, ein Hauch Magie und das lebendige Flair einer Stadt, die auch in der Gegenwart zu einer der meistbesuchten Städte der Welt zählt, vermischten sich zu einer einzigartigen, literarisch ausgewogenen Komposition, geschrieben auf 304 Seiten und ließen mich nach dem Lesen des letzten Wortes mit dem Wunsch zurück, dass es noch nicht vorbei sein möge. Nur noch ein wenig mehr, bitte! Ob es wohl eine Fortsetzung gibt? Oder ist das Geheimnis des goldenen Salamanders endgültig gelüftet und das Kinderbuch als Stand-Alone geplant? Stoff für weitere Abenteuer rund um das clevere, mutige Mädchen und seine ungewöhnlichen, tapferen Freunde gäbe es zu Genüge, dessen bin ich mir sicher! Das Geheimnis, der Höhepunkt des Plots befindet sich erst im letzten Drittel von »Das Geheimnis des goldenen Salamanders«, bis dahin hieß es eifrig mitfiebern und miträtseln, welches Geheimnis dieses kleine Tierchen verbirgt und warum Alyss Vormund so erpicht darauf ist, seinen Mündel aus dem Weg zu räumen.

Spannend bis zum letzten Wort!

Die Autorin schildert die spannende Suche in zwei Handlungssträngen, einmal aus der Sicht des Mädchens aus gutem Hause und zum zweiten aus der Perspektive eines armen Straßendiebes, der sich sein tägliches Brot mit Diebstahl verdienen muss. Der Kontrast dieser beiden so gegensätzlichen Welten lebenden, jungen Menschen sorgt für umfassende Einblicke in die gesellschaftlichen Kontraste der damaligen Epoche. Angefangen von am Stadttor aufgespießten Köpfen von Verbrechern über die intensive Schilderung von Düften bis hin zu den Abgründen der Irrenanstalt Bedlam wurde das Bild einer Stadt gezeichnet, das vielfältiger kaum sein konnte. Sehr gut gefiel mir in diesem Zusammenhang die Idee Renée Hollers, die Straßenkinder in einem die Worte verschleifenden Gossenslang sprechen zu lassen, so als ob sie nuscheln würden. Wiederum ein kleines Detail, das erkennen lässt, wie intensiv sich die Autorin mit ihrer Geschichte befasst und ihr Leben eingehaucht hat – einfach wunderbar! Die Verbindung zwischen diesen beiden Handlungsfäden stellt ein geheimnisvolles Amulett dar: ein goldener, mit Edelsteinen verzierter Salamander, der auch für den Buchtitel die entscheidende Rolle spielte.

Ich bin nun Feuer und Flamme für Frau Hollers beschwingten, farbigen Schreibstil und ihre intensive Beschreibung von Umgebung, Gerüchen und Details. Ich behaupte, es war schon lange nicht mehr so spannend, sein Wissen über die Vergangenheit Englands, die Entdeckung neuer Ressourcen und neuer Kontinente sowie über das alltägliche Leben in der Großstadt Londons von 1619 zu erweitern. Die Autorin erweckt die Vergangenheit wieder zum Leben. Man merkt deutlich, wie intensiv sie für ihren Plot recherchiert hat und mit wie viel Liebe zum Detail sie jede Kleinigkeit zu erfassen wünschte. Als kleines Goodie hat uns die Autorin ein kleines Video zu den im Buch dargestellten Schauplätzen bei Youtube hochgeladen, seht selbst:

Übrigens: Die Autorin wüsste schon, wie es mit Jack & Alyss weitergehen könnte. Ob wir uns wohl auf eine Fotzsetzung dieses Abenteuers freuen dürfen?

Mein FazitRenée Holler liefert uns mit »Das Geheimnis des goldenen Salamanders« ein rundherum gut recherchiertes Jugendbuch, dessen Plot nur so vor Abenteuer und Spannung strotzt, ohne Fantasyelemente auskommt und für spannenden Geschichtsunterricht, eingebettet in eine aufregende Story sorgt. Ein Lesevergnügen, das noch lange im Gedächtnis bleiben wird und den Titel “Lesehighlight 2013″ in allen Aspekten verdient hat!

Meine Wertung:
Bewertung: 5 Lesemonster-Punkte

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Leserpreis Challenge 2013 vom Tintenhain für die Kategorie »Kinder- & Jugendbuch« gelesen.